Killerspiele! – Neue Doku-Reihe über alte Debatte

soldier

Die Vermutung liegt natürlich nahe, doch wider Erwarten handelt es sich bei der am kommenden Samstag (06.02.2016) um 23:15 Uhr auf ZDFinfo ausgestrahlten Doku-Reihe über Killerspiele nicht um einen Frontal21-Supercut des Muttersenders. Stattdessen darf man sich in der ersten von drei Folgen auf eine sachliche und fachkundige Auseinandersetzung mit der Geschichte der First-Person-Shooter freuen, für die der WASD-Herausgeber und allgemeingültige Spitzentyp Christian Schiffer zusammen mit einigen alten Branche-Hasen auf längst vergangene Gewaltspieldiskussionen zurückblickt. Mit von der Partie sind u.a. die wohlgefallenen Kriegsberichterstatter Gunnar Lott und Boris Schneider-Johne, aber auch Entwicklerlegende John Romero (DOOM), Legendenentwickler Hans Ippisch (Soldier!) und Menschen mit unbekannten, teils komplizierten Namen von der “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien” oder dem Deutschen Computerspielmuseum.


Christian SchifferIm ersten Teil, der am 6. Februar 2016 gesendet wird, rückt die schon erwähnte Frühzeit der Video- und Computerspiele in den Blick. Wir schauen zum Beispiel auf Spiele, die damals von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften beanstandet wurden. In dem Spiel River Raid, das 1982 auf den Markt kam, schießt ein Pixelflugzeug andere Pixelflugzeuge ab – das wurde damals als kriegsverherrlichend eingeschätzt, heute versteht man nicht mehr zwingend, was daran brutal sein soll. Damals wollte man nicht, dass Heranwachsende Krieg spielen.” — zdf.de


Ob sich das Aufwärmen einer eingeschlafenen Debatte über vermeintliche Killerspiele tatsächlich lohnt und ob diese schmackhaft präsentiert wird, lässt sich im Vorhinein schwer abschätzen, doch wirkt sie derzeit seltsam kontextlos. Selbst ein Spiel wie Hatred wurde verstärkt mit Achselzucken und als billige Effekthascherei abgetan, so dass der gewählte Zeitpunkt für die Ausstrahlung einer solchen Reihe doch ein wenig Verwunderung bei mir hervorruft.

Im Idealfall ist jedoch durch die fehlende Aktualität eine distanziertere, sachdienlichere Auseinandersetzung mit dem Thema Videospielgewalt entstanden, die in einem aufgeheizteren Klima so nicht oder nur schwer möglich gewesen wäre. Die Liste der Beteiligten lässt darauf zumindest hoffen. Wer zwischen 20 Uhr und 6 Uhr noch nichts vor hat und mindestens 12 Jahre alt ist, kann sich davon in der ZDF-Mediathek sogar schon heute selbst überzeugen. Ansonsten zeigt sich das ZDF sicher auch kulant, wenn man die Sendung in Begleitung eines erwachsenen Vormunds schaut.