Yeah!

Open Zelda brachte mich auf die Idee, dem Thema “Game-Designer” einen Feature-Artikel zu widmen. Damit meine ich nicht die für Spieledesign verantwortlichen Personen, sondern Programme, die das Kreieren eigener Games ermöglichen. Sogenannte “Construction Kits” gibt es eine ganze Menge und ein paar davon möchte ich euch an dieser Stelle präsentieren.

Die Bezeichnung “Construction Kit” ist ein alter Hut. Bereits in den frühen 80er Jahren gab es zahlreiche Programme, die dazu aufforderten, sich nicht ins gemachte Nest zu setzen, sondern selbst Hand anzulegen.

3D Construction Kit (C64)

So veröffentliche z.B. Electronic Art bereits 1983 das Programm Pinball Construction Set, mit dem man — ihr werdet es ahnen — seinen eigenen Flipper entwerfen und natürlich auch spielen konnte. Apropos Flipper…

“Future Pinball is a real time Pinball Development System. It allows you to design and play your very own pinball simulation in True real time 3D. It uses Advanced Physics to provide the best possible Simulation of a true to life pinball machine.”

Na, das klingt doch interessant. Ehrlich gesagt hat mich der Editor maßlos überfordert, aber vielleicht stellt ihr euch ja etwas geschickter an. Die Resultate können sich jedenfalls sehen (und spielen) lassen:

Das sieht schon gut aus, aber in Kombination mit der richtigen Hardware zeigt “Future Pinball” sein wahres Potential.

Shoot’Em-Up Construction Kit (C64, 1987) von Sensible Software war damals ein sehr populäres Programm, deswegen freute ich mich, als ich vom PC-Remake erfuhr. Leider erwies sich die Software in Aktion als nahezu unbrauchbar und hat rein gar nichts vom Charme des Originals.

Textadventures waren nie ganz weg vom Fenster und derzeit zeigt sich sogar ein gewisser Trend, getreu dem Motto “back to the roots”. Vor kurzem zog z.B. Champion of Guitars die Aufmerksamkeit auf sich. Das kleine Spiel basiert auf der Z-Machine, die 1979 von Infocom entwickelt wurde und dem Klassiker Zork Leben einhauchte. Wer ebenfalls ein Textadventure entwicklen möchte, kann u.a. auf das kostenlose Tool Inform zurückgreifen. Textadventures sehen vielleicht einfach aus, aber das Tool ist recht komplex und die Entwicklung eines eigenen Spiels lässt sich somit nicht zwischen Tür und Angel realisieren. Schön ist übrigens, dass man — wie im Fall von “Champion of Guitars” — den Programmcode mittels Parchment online interpretieren lassen kann. Eine Alternative wäre Aiee! (An Interactive Environment Engine), für das nur Grundkenntnisse in XML vonnöten sind.

<adventure start="blog" maxscore="1000">
  <intro>
    <text>
    Du befindet dich auf der Startseite von Superlevel.de
    und (...)
    </text>
  </intro>
</adventure>

MyBrowsergame ist eine neue Plattform, die es ermöglicht, Browserspiele zu entwickeln und der Community zugänglich machen. Wer auf die kostenfreie Version zurückgreift, muss lediglich etwas Werbung in Kauf nehmen, die auf der Seite des Spiels (deinspielname.mybrowsergame.com) angezeigt wird. Die von mir angetesteten Spiele sahen alle schäbig aus, was aber durchaus an den Entwicklern und nicht an der Software liegen kann. Letztendlich hängt die Qualität einer Arbeit primär vom Handwerker ab und nicht von seinen Werkzeugen.

Quest for Glory II VGA: Trial By Fire

Eines der bekanntesten Programme ist wohl das Adventure Game Studio, mit dem bereits zahlreiche Remakes entwickelt wurden.

“Adventure Game Studio allows you to create your own point-and-click adventure games, similar to the early 90’s Sierra and Lucasarts adventures. It consists of an easy-to-use editor to create your games, and a run-time engine to play them.”

AGS ist großartig, für Laien jedoch ungeeignet. Was mit dem Programm möglich ist, wird z.B. in dem kostenlosen Spiel A Tale of Two Kingdoms demonstriert.

Eine ebenfalls bekannte und etablierte Adventure-Engine ist Visionaire Studio. Spätestens seit der Veröffentlichung von Zak McKracken – Between Time & Space machte die Software auf ihr Potential aufmerksam und fand zahlreiche neue Anhänger.

Weniger bekannt, aber durchaus interessant ist das Lassie Adventure Studio, …

…mit dem man Point’n’Click-Adventures mittels Flash erstellen kann. Das Programm selbst ist kostenlos und sowohl für PC, als auch für Mac erhältlich.

YoYo Games werden einige von euch vermutlich schon kennen. Mit dem dort erhältlichen Game Maker 7.0 lassen sich Spiele verschiedener Genren (Adventure, Arcade, Platform, Puzzle, Shooter und Strategy) kreieren und auf der Seite veröffentlichen. Um in den Genuss der Spiele kommen zu können, bedarf es eines speziellen Browser-Plugins, das sich schnell und umkompliziert installieren lässt. Den “Game Maker” habe ich mir zwar nicht angesehen, aber dafür eine handvoll der Games. Das Jump’n’Run Silver the Hedgehog hat mir spontan am besten gefallen und lässt darauf schließen, dass der “Game Maker” ein brauchbares Werkzeug ist.

Als vor einigen Jahren das Remake von Bruce Lee (C64) die Runde machte, wurde ich zum ersten Mal auf Blitz Basic aufmerksam. Mein erste Assoziation war “Retro”, was natürlich primär am Spiel lag, aber die Programmiersprache Blitz Basic — ursprünglich für den Amiga entwickelt — ist sehr umfangreich und empfehlenswert für Leute, die an der Entwicklung von semiprofessionellen (O-Ton Wikipedia) Spielen interessiert sind.

Das waren nur einige von vielen Programmen. Wer sich für die Thematik interessiert, kann z.B. diese Linkliste durchstöbern. Sollte ich nennenswerte Titel bzw. Seiten vergessen haben, lasst es mich doch bitte in den Kommentaren wissen.